Anlässlich des anstehenden G7-Treffens der Finanzminister und Notenbankgouverneure in Chantilly, Frankreich (17.-18.07.2019), erklären Lisa Paus, Sprecherin für Finanzpolitik, und Jürgen Trittin, Mitglied im Auswärtigen Ausschuss:
Schwerpunkt der französischen G7-Präsidentschaft ist „Ungleichheit“. Diese Themensetzung wirft nicht nur ein Schlaglicht auf die sich weltweit zuspitzende Ungleichheitskrise, sondern auch auf das Versagen der G7. Gerade in Deutschland ist die Vermögensungleichheit weiterhin ein großes Problem. Hierzulande gibt es weder eine Vermögensteuer noch eine wirksame Erbschaftsteuer. Auch unter Finanzminister Olaf Scholz scheint das Thema Steuergerechtigkeit bislang wenig zu interessieren. So hat er eine Digitalkonzernsteuer und mehr öffentliche Steuertransparenz für Konzerne ausgebremst. Von der G7 ist hier nichts zu erwarten. Nur die G20 kann die Weichen für ein gerechteres und zukunftsfähiges Steuersystem insgesamt stellen.
Das Klima für die globale Wirtschaft wird rauer. Umso gefährlicher ist es, dass das Wirtschaftssystem auch zehn Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise nicht krisenfest ist. Das Versprechen von Bundeskanzlerin Angela Merkel, nie wieder Banken mit deutschen Steuergeldern zu retten, bleibt ohne substanzielle Reformen hohl. Deutschland und Frankreich müssen gemeinsam vorangehen und sich bei den G7 für eine echte Finanzwende einsetzen. Die Möglichkeiten dafür, wie zum Beispiel bei der Finanztransaktionsteuer, lägen auf dem Tisch. Aber Deutschland und Frankreich sind kein Motor mehr. Stattdessen haben sie gemeinsam die Idee einer echten Finanztransaktionssteuer beerdigt. Auch mit dem Zukunftsthema digitale Währungen und der Auswirkung auf die Finanzmarktstabilität sollten sich die G7-Finanzminister beschäftigen. Durch den Vorstoß von Facebook mit der eigenen Währung Libra ist der Handlungsdruck auf alle Länder gewachsen. Was als basisdemokratische Idee verkauft werden soll, ist in Wirklichkeit das Projekt einiger Großunternehmen.
Das Thema „Green Finance“ spielt beim
G7-Treffen keine große Rolle. Dabei ist es höchste Zeit ernst zu machen und auf
eine Dekarbonisierung der Wirtschaft bis 2050 hinzuarbeiten. Dazu muss die
Bundesregierung sich international zusammen mit dem Internationalen
Währungsfonds (IWF) für eine CO2-Bepreisung und den Abbau von umweltschädlichen
Subventionen einsetzen.
Verwandte Artikel
ARCHIV: auf dieser Seite gibt es (nichts NEUES) zu sehen
Mit meinem Ausscheiden aus dem Bundestag Anfang 2024 wird diese Seite nicht mehr gepflegt. Hier finden sich alle Beiträge, Pressemitteilungen, Blog- und Gastbeiträge bis zum September 2024. Neues und aktuelles gibt es auf meiner Website www.trittin.de
Weiterlesen »
Energiewende in Deutschland – und der Welt: Rede bei der 3. KlimAKonferenz am 17.09.24 in Berlin
Lieber Christian Theobald, Meine Damen und Herren, Vielen Dank für die Einladung. 1 Global Denken – Lokal handeln Aber ich wundere mich, dass sie mich eingeladen haben. Denn folgt man Sarah Wagenknecht, Markus Söder oder Stefan Brandner – also BSW, CSU oder AfD – dann sind „Die Grünen die gefährlichste Partei Deutschlands“. Warum sind wir…
Weiterlesen »
Kopfgeld für Menschen aus Hongkong völlig inakzeptabel
Die Kopfgelder sind völlig inakzeptabel und entbehren jeder Rechtsgrundlage. Mit Angst und Schrecken versucht die kommunistische Partei erneut, Menschen in aller Welt zu unterdrücken. Menschen, die berechtigte Kritik an der kommunistischen Partei äußern. Das dürfen wir, das dürfen Demokratien nicht zulassen. Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, das wir schützen und nicht der autoritären Willkür von Präsident Xi opfern dürfen.
Weiterlesen »
Kommentar verfassen