Zum 30. Todestag der Studentin Conny Wessmann erklärt der Göttinger Bundestagsabgeordnete Jürgen Trittin (GRÜNE):
Am 17. November 1989 starb in der Weender Landstraße in Göttingen die Studentin Conny Wessmann. Sie war auf der Flucht vor einer Polizeikontrolle vor ein Auto gelaufen. Conny Wessmann war auf dem Weg, um gegen einen Aufmarsch gewalttätiger Skinheads zu demonstrieren.
Der Tod der engagierten Antifaschistin erschütterte viele Göttinger – mehr als 16.000 drückten dies auf einer Demonstration aus. Die Umstände ihres Todes wurden letztlich nicht abschließend geklärt. Später bekannt gewordene Auszüge aus dem Funkverkehr der Polizei bekundeten die Absicht, die zu kontrollierenden Personen „platt zu machen.“
Heute, dreißig Jahre später, muss nicht nur dem tragischen Tod Conny Wessmanns gedacht werden. Wir müssen ihr Engagement gegen rechts nachdrücklich würdigen. Der Anlass, weshalb sie sich auf der Straße engagierte, besteht weiter fort. Zwar wurde auch aufgrund des Drucks südniedersächsischer Antifaschisten in den frühen 90er Jahren die FAP verboten, doch ihre Kader organisierten sich in Kameradschaften neu. Der damals in Südniedersachsen aktive Neonazi Thorsten Heise verlegte seine Aktivitäten nach der Wiedervereinigung in das thüringische Eichsfeld.
Auch der Eindruck, dass Polizei, Justiz und Verfassungsschutz das Ausmaß rechter Gewalt lange unterschätzt haben, findet leider immer wieder Bestätigung. So sind etwa jene rechten Schläger aus dem Umfeld Heises, die mit Schraubenschlüsseln auf Journalisten losgingen, diese verletzten, ihr Auto zertrümmerten, immer noch freiem Fuß. Die gleiche Thüringer Justiz aber verfolgte über Jahre ein antifaschistisches Kunstprojekt als „kriminelle Vereinigung.“
Angesichts von 195 Todesopfern rechter Gewalt seit 1990 gilt es, das Engagement dieser jungen Frau zu würdigen. Conny Wessmann wollte den Anfängen wehren. Dafür hat sie ihr Leben verloren.
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