Prof. Dr. Samuel Salzborn ist Rechtsextremismus- und Antisemistismusforscher an der Universität Göttingen. Seine Professur stellt eine tragende Säule für den Studiengang Sozialwissenschaften dar. Obwohl der Fachschaftsrat sich für eine Verlängerung der Professur über das Sommersemster 2017 hinaus ausgesprochen hat, entschied sich das Präsidium dagegen. Studierende protestieren gegen die Streichung der Professur und finden bundesweit als auch international Unterstützung. Nun richtet sich auch Jürgen Trittin mit einem offenen Brief persönlich an die Präsidentin der Universität und fordert eine Verlängerung der Professur Salzborn:
Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Prof. Dr. Beisiegel,
Ich wende mich heute an Sie auch als ein Alumni, der in Göttingen Sozialwissenschaften studiert hat.
Die Sozialwissenschaftliche Fakultät der Universität Göttingen erfreut sich seit langer Zeit bei den Studierenden größter Beliebtheit. Insbesondere zählt der Studiengang der Sozialwissenschaften zu einem der Studiengänge, welcher die höchste Zahl an Einschreibungen mit sich bringt. Allein diese Tatsache sollte für den Erhalt und die Stärkung der Lehre in diesem Bereich sprechen. Umso mehr muss es besorgen, wenn erfolgreich Lehrende ihre Tätigkeit in den Sozialwissenschaften der Universität Göttingen beenden sollen.
Prof. Dr. Salzborn erfreut sich sowohl bei den Studierenden und seinen Kollegen als auch über die Grenzen der Universität hinaus großen Ansehens und Beliebtheit. Er stellt mit seiner Forschung und Lehre unumstritten eine tragende Säule für den Studiengang Sozialwissenschaften dar. Zudem ist Prof. Salzborn erst im letzten Dezember mit dem Preis des Stiftungsrates in der Kategorie Wissenschaft und Öffentlichkeit für den ‚vorbildlichen Transfer aktueller wissenschaftlicher Themen in eine breite Öffentlichkeit‘ ausgezeichnet worden.
Besonders für seinen Forschungsschwerpunkt der Rechtsextremismusforschung ist dieser Transfer von großer Wichtigkeit. Der Verlust seiner Person bedeutet gleichzeitig einen großen Verlust für die Lehre an der Fakultät als
auch die Universität als Ganzes. Es ist unklar, ob die Qualität des Studienganges weiterhin erhalten bleiben kann. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Lehre der Sozialwissenschaften nicht geschwächt werden darf.
Die Anzahl der rechtsextrem motivierten Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte hat sich im letzJahr mehr als verfünffacht. Die AFD ist mittlerweile in drei Landtagen vertreten und PEGIDA als auch weitere rechte Protestgruppen tragen darüber hinaus zur Polarisierung des politischen Klimas bei. Europaweit und nicht nur hier erstarken rechtspopulistische Kräfte. Die Art und Weise, wie von ihnen heute über Muslime gesprochen wird, ihr Glaube diskriminiert wird,erinnert an die dunkelsten Stunden des Antisemitismus in Deutschland.
Prof. Dr. Salzborn liefert mseiner Antisemitismus- und Rechtsextremismusforschung einen wichtigen Beitrag, das Vergessen zu verhindern und den Anfängen neu-alter Menschenfeindlichkeit zu währen. Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus beginnen nicht erst mit gewalttätigen Angriffen auf Asylsuchende – diese sind das Ergebnis. Es beginnt viel früher – in den Köpfen der Menschen. Diese Mechanismen untersucht Professor Salzborn in seiner Forschung. In Zeiten des zeitigen aufgeheizten und beinahe radikalisierten Klimas hätte die Streichung der Professur für Rechtsextremismusforschung die denkbar schlechteste Signalwirkung.
Der Fachschaftsrat der sozialwissenschaftlichen Fakultät hat sich bereits im letzten Dezember für eine Verlängerung der Professur Salzborn ausgesprochen. Mit tiefem Bestürzen und Unverständnis musste ich zur Kenntnis nehmen, dass sich das Präsidium gegen eine Verlängerung der Professur über das Sommersemester 2017 hinweg entschieden hat. Ich persönlich halte diese Entscheidung für falsch und bitte Sie, diese zu überdenken.
Mittlerweile wurde der offe Brief des Fachschaftsrates Sozialwissenschaften von mehreren studentischen Mitgliedsgruppen der Universität Göttingen als auch von mehr als 350 Personen, Wissenschaftlern und Organisationen aus dem In- und Ausland unterzeichnet. Auch ich gehöre zu den Unterzeichnern des offe-
nen Briefes.
Aber ich möchte mich hiermit noch einmal direkt in aller Form für den Erhalt der Professur Salzborn an der Universität Göttingen aussprechen. Ich möchte Sie erneut eindringlich bitten, Ihre Entscheidung diesbezüglich zu überdenken!
Mit freundlichen Grüßen
Jürgen Trittin, MdB
Hier geht es zum offenen Brief der FSR Sozialwissenschaften, den auch ich unterzeichnet habe.
Auch Göttinger Tageblatt (24.05.2016) berichtet über diesen Fall.
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