Am 25.08. traf ich mich mit Dr. Ulrich Eichhorn von VW, Jürgen Resch von der Deutschen Umwelthilfe und Dr. Ralf Benger vom Energieforschungszentrum Niedersachsen in der Brunsviga in Braunschweig. Bei sonnigen Sommerwetter und zusammen mit etwa 150 Menschen im Publikum diskutierten wir über die Zukunft des deutschen Autos und über Elektromobilität.
Sowohl die Gesprächsteilnehmer als auch das Publikum waren schnell in eine hitzige Debatte vertieft. Zuerst ging es um die globalen Märkte und inwiefern die deutsche Autoindustrie noch vorne mitspielt. Um die Klimaziele des Pariser Abkommens einzuhalten dürften nur noch ein Fünftel der bisher bekannten Rohstoffe verbrannt werden. Ein Schritt hin zu alternativen Antriebstechnologien ist also zwingend notwendig. Derzeit setzten andere Länder und auch andere Unternehmen die Maßstäbe für Elektromobilität. Tesla baut schon heute Autos mit einer Reichweite von bis zu 500km und bei den Absatzzahlen spielt Deutschland im Gegensatz zu Ländern wie zum Beispiel den USA nur eine untergeordnete Rolle. Eine Millionen Elektroautos soll es bis 2020 geben, derzeit sind es nur knapp über 30 000. Ein Blick über den Tellerrand zeigt wie es besser laufen kann. Norwegen subventioniert seine Elektroautos stark, investiert viel in die Infrastruktur und bietet Steuererleichterungen und weitere Vergünstigungen.
Danach drehte sich die Situation verstärkt um Elektromobilität in Deutschland. Neben sauberen Autos ging es auch um einen grünen OPNV und alternative Mobilitätskonzepte (E-Bikes, Car Sharing etc). Die Politik muss hierfür und für Elektromobilität mehr Anreize geben. Die Rahmenbedingungen waren lange zu günstig für Dieselmotoren. Auch heute noch sind Diesel sämtlicher Hersteller zu dreckig und die giftigen Gase führen zu Atemwegserkrankungen. Dennoch sind Dieselfahrzeuge sowohl bei der Anschaffung als auch bei der Haltung günstig. Derzeit ist Elektromobilität für die meisten Bürger noch zu unattraktiv und vor allem zu teuer, rund ein Drittel teurer als ein vergleichbares Auto mit Verbrennungsmotor. Ein großer Teil der Kosten (16 000€) wird jedoch allein schon für die Batterie benötigt. Zudem fehlt die nötige Infrastruktur an Aufladestationen, in ganz Deutschland sind es nur etwa 6000.
Darüber hinaus muss die Situation auch ganzheitlich betrachtet werden. Für die Herstellung der Batterien werden viele Rohstoffe verwendet, welche teilweise unter sehr umweltbelastenen Verfahren abgebaut werden (Stichwort: Seltene Erden). Zudem steht noch aus wie man alte Batterien umweltfreundlich wieder entsorgen oder recyceln kann. Es ist für das globale Klima wenig sinnvoll die Natur in Ländern wie China extrem stark zu belasten um anderswo etwas saubere Luft zu haben.
Wenn Deutschland und die deutsche Autoindustrie so weiter machen werden sie den Sprung in die Zukunft verpassen. Was muss also getan werden? Es liegt primär am Staat die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen um Elektromobilität so attraktiv wie möglich zu machen. Es muss sowohl in Infrastruktur als auch in Forschung investiert werden. Bislang gab es in den letzten fünf Jahren lediglich zwei Milliarden Euro. Die Industrie selbst hat ein Vielfaches investiert. Nur mit einem guten Zusammenspiel zwischen Staat und Industrie kann Elektromobilität seinen Weg in das Bewusstsein der Bürger schaffen und damit wichtige Klimaziele erreicht werden. Fazit: Wir stehen um einiges besser da als vor zehn Jahren – es ist jedoch noch ein weiter Weg!
Nach zwei Stunden intensiver Diskussion mit drei sehr interessanten und unterschiedlichen Gesprächsteilnehmern und einem äußerst kritischem und aufmerksamen Publikum beendete ich die Veranstaltung und wünschte meinen Gästen einen guten Heimweg – egal ob mit Bus, Bahn, Fahrrad oder E-Mobil.
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