Anlässlich des dreitägigen Seidenstraßen-Gipfels in Peking (25.-27. April 2019) erklärt Jürgen Trittin, Mitglied im Auswärtigen Ausschuss:
Der „Seidenstraßen“-Gipfel in Peking mit Vertretern aus mehr als 100 Ländern macht vor allem eins deutlich: unter Präsident Xi Jinping hat sich China vom Prinzip der außenpolitischen Zurückhaltung verabschiedet. Die neue Machtprojektion ist dabei bisher primär ökonomisch. Das globale Wirtschafts- und Investitionsprojekt Belt and Road Initiative (BRI) ist das zentrale Instrument der geopolitischen Strategie Chinas. Über den Ausbau von Verkehrswegen sollen Handel und Einfluss verstärkt werden. Xi stellt das Projekt als „win-win“ Kooperation dar. Bisher profitieren davon allerdings vor allem chinesische Firmen. Für Länder wie Montenegro hat sich BRI als Schuldenfalle erwiesen. Außerdem nutzt China die Initiative zur Einflussnahme, zum Beispiel über die Setzung chinesischer Normen und Standards. Aber eine solche Globalisierung chinesischer Prägung ist nicht in Europas Interesse. Nur ein regelbasierter Welthandel, kann auch ein fairer Handel sein.
Insgesamt birgt die Initiative Chancen und Risiken. Auf beides haben Deutschland und Europa noch keine ausreichende Antwort gefunden. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier muss in Peking auf eine transparente Ausschreibungspraxis, auf Reziprozität und die Einhaltung globaler Standards drängen. Belt and Road Projekte müssen sehr viel nachhaltiger werden. Das hat nur eine Chance auf Durchsetzung, wenn die EU gegenüber China als geschlossener Akteur auftritt. Das erfordert einen Kurswechsel von der Bundesregierung, die Europa mit ihrer Austeritätspolitik bisher eher gespalten hat.
Was Xi verspricht, klingt nach ‚pax sinensis‘. Da sollten wir skeptisch sein. Es braucht keine neue Weltordnung. Die Welt braucht Kooperation auf Augenhöhe und das geht nur in multilateralen Foren auf der Basis globaler Standards. Xi wird beweisen müssen, dass seine Reden zu Multilateralismus mehr sind als Lippenbekenntnisse.
Verwandte Artikel
ARCHIV: auf dieser Seite gibt es (nichts NEUES) zu sehen
Mit meinem Ausscheiden aus dem Bundestag Anfang 2024 wird diese Seite nicht mehr gepflegt. Hier finden sich alle Beiträge, Pressemitteilungen, Blog- und Gastbeiträge bis zum September 2024. Neues und aktuelles gibt es auf meiner Website www.trittin.de
Weiterlesen »
Alles muss anders bleiben – Sicherheit in der Veränderung
Liebe Steffi, Vielen Dank. Du bist nach mir die zweite Grüne, die das Bundesumweltministerium leitet. Der Artenschutz, der Naturschutz haben es heute schwerer als zu meiner Zeit. Wenn rechtspopulistische Bauern auf ihren 100.000 Euro teuren Treckern glauben machen können, ihre wirtschaftliche Zukunft hänge am Umpflügen von Blühstreifen – dann stimmt etwas nicht in diesem Land….
Weiterlesen »
Energiewende in Deutschland – und der Welt: Rede bei der 3. KlimAKonferenz am 17.09.24 in Berlin
Lieber Christian Theobald, Meine Damen und Herren, Vielen Dank für die Einladung. 1 Global Denken – Lokal handeln Aber ich wundere mich, dass sie mich eingeladen haben. Denn folgt man Sarah Wagenknecht, Markus Söder oder Stefan Brandner – also BSW, CSU oder AfD – dann sind „Die Grünen die gefährlichste Partei Deutschlands“. Warum sind wir…
Weiterlesen »
Kommentar verfassen